Körper-Gedanken

Ich habe es immer schon als merkwürdig empfunden einen Körper zu haben. Beine, Füsse, eine Nase. Als Teenagerin habe ich mir die Arme aufgeschnitten, weil ich mich nicht spüren konnte, vielleicht. In der Kunstschule wurde mir mein Körper immer wieder zum Objekt meiner Arbeiten und Gegenstand der Forschung. Wie fühlt er sich an? Was empfinde ich?

Noch heute frage ich mich das manchmal, es fällt mir nicht immer leicht – immer noch nicht – einen Körper zu haben. Als würde ich manchmal ein bisschen über mir schweben, wilde, klare Träume begleiten mich seit Kindesalter, Visionen manchmal, Bilder, aber die Füsse, die Beine, die bleiben mir oft merkwürdig fremd.

Mehr Mensch sein.

Diese stille Einladung begegnete mir in meiner letzten tiefen Reise in mich selbst. Mehr fühlen, spüren und tief in das irdische Dasein eintauchen. Weltlich sein. Menschlich. Der Freude wegen, einen Körper zu haben und ihn zu lieben, unabhängig von seiner Form, die in seiner Erscheinung immer mangelhaft, unperfekt sein wird – und gleichzeitig trotzdem richtig, so wie sie sich zeigt, als äussere Form, in der sich die Welt und das gesamte Universum finden lässt.

Durch und mit dem Körper erfährt unsere Seele, erfährt Gott die Welt. Und wir sollten ihn als das, was er ist, lieben und schätzen und hegen und pflegen und ihn nicht für etwas, das er nicht ist und auch nicht sein muss abschätzen. Und ihn verändern und anpassen wollen an sich ändernde Ideale; ihn Vorschriften und Vorsätzen unterwerfen und uns schlecht fühlen, wenn wir scheitern oder der Körper doch macht, was er will und aussieht, wie er nun mal ausschaut.

Der Körper wurde und wird beschimpft und geschändet, oder himmelhochjauchzend als Objekt der Begierde überbewertet, um dann wieder ganz und gar vernachlässigt zu werden. `Gibt es nicht, den Körper` spricht manch weltfremder spiritueller Guru, während man sich in anderen Kreisen in Fitnessstudios und zu Hause durch Diäten kämpft.

Der Körper ist Körper, nicht mehr, nicht weniger und es ist wunderbar einen solchen zu haben. Wir können im Sand laufen, barfuss nackt, und mit schweren Stiefeln im Schnee waten. Salz und sauer und Bittersüsses schmecken, unsere Partner und uns selbst riechen und spüren und fühlen. Und atmen. Ein und aus.

Hier und heute will ich mich für die Körperlichkeit aussprechen, für das Menschlich-Warme, weiches Fleisch, sinnliche Wahrnehmungen, leidenschaftlich rot. Für das Fühlen und Spüren, der grundlosen Freude wegen, die auch das Traurig-Dumpfe als Gefühl und Sinneswahrnehmung nicht ausgrenzt, sondern lieben lernt, als weitere Schattierung des Regenbogens.

Ich wünsche uns nicht noch mehr überhaben-erhebliche, theoretische, spirituelle Konzepte oder körperlich, einengende Idealvorstellungen, sondern mehr Freude über das irdische Dasein, und Platz für die Sehnsucht nah und intensiv zum Körper zu kommen und durch ihn in die Welt und darüber hinaus … zum Göttlichen zu gelangen.

Denn, so wie Chamlie Ardagh es so wunderbar umschreibt: „Der Körper hat viel über das Mysterium des Lebens zu erzählen. Genau genommen musst du nicht weiter als in deinen Körper reisen, um mit dem Göttlichen zusammenzustossen.“

 

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