Wir sind nicht so mächtig, wie wir glauben. Wir können und sollten unser Bestes tun, nichts unversucht lassen, um das Leben zu leben, das wir uns wünschen. Wir sollten alles versuchen, gegen Krankheiten anzukämpfen, Liebeskummer zu beschwichtigen, Unfällen vorzubeugen und das Glück einzuladen.
 
Aber was passieren wird, wird passieren.
 
Wir sind nicht so machtvoll, wie wir glauben.
 
Das Leben lehrt uns Demut, mit allem, was uns passiert und nicht passiert. Und wenn wir übermütig werden, in unserem Spiel um Macht, Geld und Menschen-Leben, dann erinnert das Leben uns sanft-lächelnd wieder daran, wo der Boden unter unseren Füssen ist, dann bringt es uns an diesen stillen Ort in uns zurück, dort wo wir nur atmen können – und das ist manchmal schon eine grosse Leistung.
 
Wir wissen so viel und wir glauben, wir hätten das Leben im Griff.
 
Wir glauben tatsächlich, dass wir es sind, die tun und entscheiden und das Leben lenken. Und auf einer gewissen Ebene können wir das auch, da ist Manifestation möglich, der grosse Traum vom grossen Glück.
 
Aber das, was passieren wird, wird passieren – und alles andere nicht.
Wir entscheiden nicht, ob ein Mensch stirbt, ob ein Kind geboren wird, ob eine Beziehung hält, oder das Leben, das wir uns wünschen, so in der Form möglich sein wird. Wir wollen verstehen und kontrollieren – uns und die anderen. Wir wünschen uns so sehr, dass wir das Leben im Griff haben – und nicht umgekehrt.
 
Ich habe Menschen getroffen, die wurden durch Ayahuasca von Krebs geheilt, ich habe von Menschen gehört, die durch Marihuana gesund wurden. Und manche sind trotzdem gestorben, an Krebs, durch eine Krankheit oder durch einen Unfall – obwohl alles unternommen wurde, „das Schlimmste“ zu vermeiden.
 
Wir wollen das Schlimmste vermeiden und das Schönste besitzen und leben und behalten.
Aber was, wenn das Schlimmste gar nicht das Schlimmste ist, sondern auch einfach Leben?
 
Heute kam die Traurigkeit bei mir zu Besuch, mit dem Regen fand sie ihren Weg in mein Zimmer und in mein Herz; namenlos und ohne Gesicht erzählte sie mir tausendundeine Geschichte, die passiert sind und passieren werden, immer wieder, mir und dir.
 
Wir leben in einer zerbrechlichen Zeit, vieles bricht auf, geht vorbei um in neuer Form wieder zu kommen. Viele Menschen sterben, werden krank, gehen uns scheinbar für immer verloren.
 
Ich glaube es braucht uns Menschen, die im Schlimmsten nicht nur das Schlimmste sehen und auch der Traurigkeit mit ihren zahllosen Gesichtern ihre Türen öffnen und den Schmerz fühlen, der nie nur der ihrige ist, sondern immer auch der Schmerz der Welt, die sich immer wieder neu wandelt, stirbt und neugeboren wird.
 
Das Leben will gefühlt werden, erfahren, gelebt und nicht verstanden, kontrolliert und domestiziert. Auch, aber nicht nur. Nicht nur.
 
Und wenn wir uns öffnen, allem, was sich uns zeigen will, jeder Erfahrung und den damit verbundenen Gefühlen, dem Leben, das immer auch den Tod in sich trägt, der Freude, die gleichzeitig immer die Traurigkeit an der Hand hält, dann leben wir ein volles Leben, ein ehrliches Leben.
 
Und vielleicht lernen wir dann unser Glück nicht nur im Schönsten zu finden und dem Schlimmsten nicht immer aus dem Weg gehen zu wollen. Dann leben wir ein volles Leben, ein freies Leben, das Leben Gottes, der erschafft und zerstört, im unendlichen Spiel des Lebens.
 
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