Nein-Sagen

Manchmal glauben wir immer zu allem (und allen) Ja-Sagen zu müssen. Vielleicht weil es sich so gehört, vielleicht weil wir es so gelernt haben und es uns schon in die Wiege gelegt wurde, es allen recht machen zu müssen und ja, auch weil wir es richtig machen und gut sein wollen, anerkannt und geliebt.
 
Und so sagen wir „Ja, natürlich“ und „Ja, selbstverständlich“, auch dann, wenn irgendetwas in uns leise Nein ruft. Aber wir hören es nicht. Wir kennen es nicht, unser Nein.
 
Nein, es ist mir zu viel. Nein, ich brauche Zeit für mich. Nein, jetzt nicht, vielleicht morgen. Nein, ich habe keine Lust. Nein, versuch es doch alleine. Manchmal existieren diese oder ähnliche Sätze für uns nicht. Oder sie sind mit viel schlechtem Gewissen verbunden.
 
Aber weil nichts ohne das andere, das eine ohne sein Gegenteil in dieser Welt der Dualität nicht existieren kann, wächst das Nein in uns mit jedem ausgesprochenen Ja, das nicht unserem Herzen, sondern dem Verstand, einem übertriebenen Pflichtgefühl oder einer leeren spirituellen Theorie entspringt.
 
Und eines Tages ist das Nein in uns unmerklich so gross und fett geworden, dass es sich bei der kleinsten Frage, einer Bitte, oder einfach so bemerkbar macht, ungefragt, in der Migros an der Kasse, oder beim Smalltalk, den wir eigentlich schon lange nicht mehr ertragen können. Es bricht aus uns heraus, bei allen „Könntest du nicht…“, „Magst du noch…“.
 
Nein schreit es in uns, unerbittlich, gewiss zu übertrieben und dramatisch. Aber da ist es nun, das Nein, das wir einfach nicht hören konnten, so lange Zeit nicht.
 
Was es braucht?
 
Vielleicht sollten wir beginnen zuzuhören. Uns selbst. Auf eine tiefe, ehrliche Weise. Uns selbst verstehen lernen. Was wir brauchen, was wir wollen. Wirklich. Ehrlich. Uns bewusst werden, wann wir Ja sagen und warum. In welcher Energie und mit welcher Absicht.
 
Sagen wir Ja aus Angst vor Ablehnung oder vor einer Konfrontation, haben wir Angst zu verletzen, wollen wir Achtung und Wertschätzung, oder können wir einfach nicht alleine sein? Sagen wir Ja aus Freude, weil unser Herz Ja ruft, oder weil wir einfach das Gefühl haben Ja sagen zu müssen?
 
Und manchmal braucht es auch einfach Zeit – die kurz oder lang sein kann – in der wir Nein sagen. Zu ganz vielem. Um das Gleichgewicht in uns wieder herzustellen. So wie sich Ebbe und Flut und Tag und Nacht sich die Hand reichen, gibt es auch in uns ein natürliches Geben und Nehmen, ein harmonisches Miteinander von Ja und Nein, von Alleinsein, Abgrenzung und dem sich Öffnen und Geben.
 
Und wenn wir immer nur Ja sagen, dann kommt diese Zeit vielleicht bald, in der wir Nein sagen lernen, eine leise Zeit, eine sanfte Zeit, in der wir lernen uns selbst zuzuhören, auf eine tiefe, ehrliche Weise.
 
Nein, das Nein ist nicht schlecht, nicht unspirituell und es hat Berechtigung. Die Wut hat Platz und das Nein darf Raum einnehmen, so wie die Freude und das Ja da sein dürfen. Wir sind gross genug und können es (aus-)halten; die ganze Bandbreite an Gefühlen und Schattierungen von Ja bis Nein, mit allen damit verbundenen Konsequenzen.
 
Ein Nein darf, es muss ausgesprochen werden, damit das Ja in uns gedeihen, wachsen und aus voller Kraft und ehrlichem Herzen ausgesprochen werden kann. Das eine kann ohne das andere nicht existieren.
 
Und dann, wenn wir auch mal Nein sagen, dann ist da plötzlich auch das Ja auf natürliche Weise da, spontan und liebevoll zeigt es sich, es wächst in uns – ein Ja, das auch zum Nein nicht Nein sagt.
 
… ein Text, der vor zwei Jahren entstanden ist, aber immer wieder aktuell ist – bei ganz vielen von uns 😉 ❤
 
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