Wir sind nicht so mächtig, wie wir glauben. Wir können und sollten unser Bestes tun, nichts unversucht lassen, um das Leben zu leben, das wir uns wünschen. Wir sollten alles versuchen, gegen Krankheiten anzukämpfen, Liebeskummer zu beschwichtigen, Unfällen vorzubeugen und das Glück einzuladen.
 
Aber was passieren wird, wird passieren.
 
Wir sind nicht so machtvoll, wie wir glauben.
 
Das Leben lehrt uns Demut, mit allem, was uns passiert und nicht passiert. Und wenn wir übermütig werden, in unserem Spiel um Macht, Geld und Menschen-Leben, dann erinnert das Leben uns sanft-lächelnd wieder daran, wo der Boden unter unseren Füssen ist, dann bringt es uns an diesen stillen Ort in uns zurück, dort wo wir nur atmen können – und das ist manchmal schon eine grosse Leistung.
 
Wir wissen so viel und wir glauben, wir hätten das Leben im Griff.
 
Wir glauben tatsächlich, dass wir es sind, die tun und entscheiden und das Leben lenken. Und auf einer gewissen Ebene können wir das auch, da ist Manifestation möglich, der grosse Traum vom grossen Glück.
 
Aber das, was passieren wird, wird passieren – und alles andere nicht.
Wir entscheiden nicht, ob ein Mensch stirbt, ob ein Kind geboren wird, ob eine Beziehung hält, oder das Leben, das wir uns wünschen, so in der Form möglich sein wird. Wir wollen verstehen und kontrollieren – uns und die anderen. Wir wünschen uns so sehr, dass wir das Leben im Griff haben – und nicht umgekehrt.
 
Ich habe Menschen getroffen, die wurden durch Ayahuasca von Krebs geheilt, ich habe von Menschen gehört, die durch Marihuana gesund wurden. Und manche sind trotzdem gestorben, an Krebs, durch eine Krankheit oder durch einen Unfall – obwohl alles unternommen wurde, „das Schlimmste“ zu vermeiden.
 
Wir wollen das Schlimmste vermeiden und das Schönste besitzen und leben und behalten.
Aber was, wenn das Schlimmste gar nicht das Schlimmste ist, sondern auch einfach Leben?
 
Heute kam die Traurigkeit bei mir zu Besuch, mit dem Regen fand sie ihren Weg in mein Zimmer und in mein Herz; namenlos und ohne Gesicht erzählte sie mir tausendundeine Geschichte, die passiert sind und passieren werden, immer wieder, mir und dir.
 
Wir leben in einer zerbrechlichen Zeit, vieles bricht auf, geht vorbei um in neuer Form wieder zu kommen. Viele Menschen sterben, werden krank, gehen uns scheinbar für immer verloren.
 
Ich glaube es braucht uns Menschen, die im Schlimmsten nicht nur das Schlimmste sehen und auch der Traurigkeit mit ihren zahllosen Gesichtern ihre Türen öffnen und den Schmerz fühlen, der nie nur der ihrige ist, sondern immer auch der Schmerz der Welt, die sich immer wieder neu wandelt, stirbt und neugeboren wird.
 
Das Leben will gefühlt werden, erfahren, gelebt und nicht verstanden, kontrolliert und domestiziert. Auch, aber nicht nur. Nicht nur.
 
Und wenn wir uns öffnen, allem, was sich uns zeigen will, jeder Erfahrung und den damit verbundenen Gefühlen, dem Leben, das immer auch den Tod in sich trägt, der Freude, die gleichzeitig immer die Traurigkeit an der Hand hält, dann leben wir ein volles Leben, ein ehrliches Leben.
 
Und vielleicht lernen wir dann unser Glück nicht nur im Schönsten zu finden und dem Schlimmsten nicht immer aus dem Weg gehen zu wollen. Dann leben wir ein volles Leben, ein freies Leben, das Leben Gottes, der erschafft und zerstört, im unendlichen Spiel des Lebens.
 
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Vertrauen

Die Wahrheit ist, wir können nichts wissen.
 
Wir wissen nicht, was morgen sein wird und manchmal, da treffen wir Entscheidungen, die sich heute richtig anfühlen und morgen schon nicht mehr stimmig sind. Alles ist in stetigem Wandel, ändert sich fliessend und alle Theorie, alle Konzepte, immer dann, wenn wir sagen; jetzt weiss ich, jetzt verstehe ich!, sind immer viel zu starr, als dass sie mit dem Fluss des Lebens mithalten könnten.
 
Die Wahrheit ist, wir wissen nichts und die Kontrolle und die Sicherheit – ach! welch kindlich-ängstliche Sehnsucht sich etwas zu bemächtigen, etwas kontrollieren zu wollen, was seinen eigenen Zeiten, Abläufen, Regeln folgt, die wir manchmal vielleicht erfühlen, aber niemals wirklich ganz erfassen können.
 
Wir können spielen mit dem Leben, aber alle Kämpfe werden wir verlieren. Wir können uns einlassen auf das Leben, unschuldig, neugierig-offen, aber niemals sollten wir uns anmassen das Zepter an uns reissen zu wollen und zu regieren, was sich unserer Macht entzieht.
 
Das heisst nicht, dass wir nicht träumen sollten, dass wir keine Ziele haben dürfen. Wie meine indische Lehrerin mir geraten hat: Fokussiere deine Aufmerksamkeit auf das, was du willst, auf das was du leben möchtest und gleichzeitig lass los – surrender – gib dich hin und öffne dich dem wilden, ungestümen Leben, das sich schlussendlich immer unserer Kontrolle entziehen wird.
 
Wie oft hadern wir mit dem was ist?
 
Das Leben schenkt uns einen Moment und wir sagen ganz oft nein dazu. Ich will es aber anders haben!
 
Ja zu sagen bedeutet Entspannung, bedeutet loszulassen von dem Gedanken, dass es anders besser wäre. Ja zu sagen zur Unsicherheit und zum Chaos, zu der Angst und zum Schmerz bedeutet auch die Freude einzuladen und dem Leben die Möglichkeit zu geben uns das zu schenken, was wir mit verbissen-verschlossenen Mündern und Händen immer fort von uns weisen.
 
Ja zu sagen bedeutet zu vertrauen und dieses Vertrauen führt uns nah zu uns selbst, in uns selbst, zu diesem Ort wo wir den Atem spüren und eins werden können mit dem einen Moment, der das Leben ist.
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ALLEN DENEN DAS LEBEN GEHÖRT GRATULIERE ICH VON HERZEN

Ich bin auf diesen Berg gestiegen, nicht alleine, aber doch sehr mit mir. Obwohl es kein Berg war, kein Hügel, sondern ein Vulkanherz. Der Vulkan sei verschwunden, im Laufe der Zeit immer kleiner und kleiner geworden und habe sein Herz zurück gelassen. Einfach so.
 
Ich empfand es als Geschenk.
 
Auch wir lassen unser Herz zurück, manchmal, aber selten als Gabe für unsere Nächsten. Wir lassen es einfach liegen, auf halber Strecke, im Tram oder an der Kasse in der Migros. Dann gehen wir weiter und plötzlich fällt uns ein, dass wir es liegen gelassen haben, irgendwo. Wenn wir einen Sternenhimmel betrachten, oder die blattlosen Bäume im Wald fällt es uns auf, denn man sieht nur mit dem Herzen gut. Sagt man. Das ist Blödsinn, obwohl es stimmt.
 
Ich bin auf dem Vulkanherzen herumgeklettert, nur zum Spass, eigentlich wollte ich schlafen gehen, mich ausruhen, alleine sein und dann bin ich trotzdem mit, vielleicht ihm zu liebe, oder um ihm zu gefallen. Auf dem Vulkanherzen habe ich mein eigenes Herz laut schlagen gehört. Ich habe es wieder gefunden, am Vorabend schon – Gott sei dank. Obwohl ich es nicht gefunden habe, es ist zurückgekehrt, einfach so, ohne, dass ich etwas versprechen musste, das ich dann vielleicht doch nicht halten kann. Aber ich habe es mir fest vorgenommen.
 
Wir sind bis auf den höchsten Punkt geklettert, ich war gar nicht mal so müde, obwohl ich schlafen wollte, vorher. Dann sind wir zurück und dann noch einmal hochgestiegen. Das Vulkanherz hat uns gerufen und man wird selten von einem Steinherzen eingeladen.
 
Auf halber Strecke haben wir uns hingelegt. „Sich hinlegen, sich auf einem fremden Herzen ausruhen?“, habe ich mich gefragt, mich aber dann doch hingelegt, der Länge nach ausgestreckt. Wir sind lange geblieben, bis die Sonne verschwand und der Regen kam.
 
Ich habe geweint, der Regen hat mich getarnt so gut es ging. Ich war nicht traurig, obwohl ich mir nicht ganz sicher war. Mein Herz konnte mir keine klare Antwort geben. Solange dir das Leben gehört, spielt das keine Rolle, hat es mir gesagt.
 
Bild und Text: Mexico 2014
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Gut und Böse reichen sich die Hand

Jede Grenze (in uns) ist nur ein Gedanke.
 
Ein ich muss, ich soll, ich darf nicht, ich kann nicht, das ist gut und das ist schlecht.
 
Ich bin schuldig, sagen wir, dann wenn wir etwas tun, das gegen dieses Wertesystem, das wir in uns tragen (und immer auch im Aussen in Form von allen möglichen Konditionierungen existiert) verstossen.
 
Jede Grenze ist immer nur ein Gedanke.
 
Und wenn wir anfangen uns zu erlauben ich kann und ich darf zu sagen, wird etwas weit in uns. Wenn wir innerlich beginnen uns selbst und der Welt zu erlauben, so zu sein, wie das Leben in und um uns sein will, wenn wir weit werden, dürfen sich Sachen zeigen, die sich in der Enge des Denkens nicht zeigen durften, weil wir es uns verboten haben.
 
Es ist ein oft unmerklicher Kampf, den wir austragen. Gegen das Schlechte, das Böse, gegen das, was sich nicht gehört, gegen das, was man nicht machen, oder nicht einmal denken darf. Wir werten und verurteilen uns selbst und so gerne auch die anderen, die tun, was man einfach nicht tun darf, weil man es nun einmal einfach nicht tut. Punkt.
 
In dieser Welt „da draussen“, genauso wie in uns selbst, gibt es so viel Dunkelheit, wie es Helligkeit gibt, Gut und Böse reichen sich die Hand, aber wir wollen immer nur sehen, fühlen, er-leben, was sich gut anfühlt, was sich gehört und wir sind – oft unmerklich – im Kampf gegen das, was wir nicht wollen, dürfen, sollen, gegen das Böse, das Dunkle in und um uns.
 
Werte nichts und niemanden, auch nicht dich selbst, lehrte mich mein Schamanen-Freund: das ist die Liebe, die sich die Welt ersehnt. Er hat mit Menschen gearbeitet, die andere Menschen umgebracht haben, gefoltert gequält und er ist gleichzeitig so tief in die eigene Dunkelheit gestiegen, akzeptierend, liebend, dass er eine Weite mit sich trägt, in der alle/s willkommen ist.
 
Wenn wir etwas nicht wollen, weil es sich nicht gehört, weil sich unseres inneres Wertesystem – aufgebaut durch Gedanken – dagegen wehrt, dann kommt es wieder und wieder, weil es gesehen, akzeptiert, gelebt und integriert werden will.
 
Und aus eigener Erfahrung weiss ich: Nur die Öffnung, Hingabe und Annahme von allem, was sich zeigen will; ob gut oder schlecht, hell oder dunkel, ermöglicht Freiheit, in der man nicht mehr kämpfen muss, nicht mehr versuchen muss, ein guter Mensch zu sein, etwas richtig zu machen, besser zu werden. Es ist das Leben, das fliessen darf, endlich wieder pulsierend in unserem Körper fliessen kann, dann wenn wir Ja-Sagen zu dem, was auch immer das Leben in und um uns zeigen will.
 
Es entsteht Freiheit, in der sich die Angst vor dem Schlechten und Dunklen auflösen darf, weil es immer weniger gibt, vor dem wir uns zu ängstigen brauchen, dann wenn wir uns allem in und um uns öffnen, dann wenn wir uns erlauben zu sein, wie wir sind und nicht so, wie wir sein sollten.
 
Dann wenn wir unseren inneren Kritiker nicht ausschalten, aber freundlich zur Seite bitten und das Leben geniessen, in seiner Fülle, die zwischen Dunkel und Hell alle möglichen Grau- und Farbtöne in sich trägt, wenn wir aufhören zu kämpfen, gegen das Schlechte, Dunkle, Böse, dann werden wir frei und mutig, alle/m zu begegnen, das uns in Form von Menschen, Gefühlen, Situationen, Sehnsüchten begegnen will.
 
Jede Grenze ist immer nur ein Gedanke.
 
Erlaube dir „schlecht“ zu sein, erfühle deine Grenzen von Richtig und Falsch, ich darf das und dies nicht und gehe nur ein einziges Mal darüber hinaus. Erlaube dir dunkel zu sein, etwas zu denken, vor dem du dich vor dir selbst schämst, erlaube dir zu sein, was sein will. Und vielleicht erfährst du dann, wie etwas in dir sich auflösen, sich er-lösen darf, weil es da-sein kann, ohne bewertet, verdrängt und unterdrückt zu werden. Wenn wir uns den Schatten stellen, dann merken wir, dass Schatten zwar gross und gefährlich scheinen, sie aber uns niemals wirklich etwas anhaben können.
 
Das Leben ist auch dunkel. Und wir alle tragen diese Dunkelheit in uns, ob wir wollen oder nicht. Aber das Dunkle ist nicht schlecht, es ist einfach nur ein weiterer Aspekt vom Leben, das wir selbst sind.
 
Und das Leben, das wir sind, will ganz sein und diese Ganzheit zeigt sich dann, wenn wir hinabsteigen, tief in uns gehen, dorthin, wo Dunkelheit und Helligkeit sich die Hand geben und alles sein darf, wie es sein will.
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Offenheit

Dann, wenn wir uns öffnen, uns selbst und dem Gegenüber, dann, wenn wir ehrlich sind, aussprechen, was wir fühlen, was wir wollen, wonach wir uns sehnen und was wir ängstigen, dann entsteht ein Feld, das so offen ist, dass alles darin erscheinen und sich zeigen darf. Ich will es Liebe nennen, eine Liebe, die nichts mit Romantik gemein hat, nichts mit Versprechungen, die wir nicht halten können (und auch nicht müssen), nichts mit Erwartungen, denen niemand gerecht werden kann.
 
Dann, wenn wir uns öffnen und uns selbst und der Welt zeigen, dann kann auch im Gegenüber etwas aufatmen und vielleicht kann sich dadurch etwas er-lösen, etwas, das sich über Jahr und Tag verstecken musste, das, was wir bekämpfen, unterdrücken, verleugnen, verschweigen; immer nur ändern und heilen versuchen.
 
Wir alle spielen tausend Rollen und tragen noch mehr Masken – pretend to be: sein, wie es sich gehört und wie es sich für unseren Verstand sicher anfühlt. Gut sein, erfolgreich, stark und selbstbewusst. Sich seiner selbst bewusst zu sein, bedeutet tief in sich zu gehen und bereit sein allem zu begegnen, alles mit dem Licht des Bewusstseins zu beleuchten – auch und gerade das, was wir nicht sehen und schon gar nicht der Welt zeigen wollen.
 
Der Verstand denkt, dass wir sicher sind, dann wenn wir uns schützen und so tun als ob – alles gut ist, wir furchtlos frei von Neid und Angst und vor dem Tod durch unser Leben gehen. Aber das Herz, das weiss, dass es gross genug und so weit und voller Liebe ist, dass es alles er-tragen kann und dass sich, wenn wir uns öffnen ein Feld entsteht, offen, empfänglich und frei von Wertung und Ausschluss, in dem sich alles zeigen, er-lösen und befreien darf.
 
Etwas in uns weiss, dass durch diese Offenheit wahre Empfänglichkeit, wirkliche Bindung, ehrliche Begegnung entstehen kann und das alles andere – tägliche Bekanntschaften, schneller Sex, Smalltalk bei Kaffee und Kuchen oder bei der Arbeit – immer nur an der Oberfläche kratzen, aber nichts von dem, was wir wirklich sind zu berühren vermag.
 
Vor ein paar Tagen da kam ein Mann in eine Session. Ein Mann mit einer Vergangenheit voll von Gewalt, Gefängnis und Drogen. Mein Verstand wollte mich schützen, aber mein Herz hat sich bereits geöffnet und den Mann eingeladen. Und in dieser Öffnung ist etwas Wunderbares entstanden: Vertrauen und Nähe, in der sich Traurigkeit und Gefühl zeigen und ein Loslassen passieren konnte. Normally I don`t trust anybody, sagte er lachend, aber etwas in ihm habe sich ganz von selbst geöffnet und – ohne sein oder mein aktives Zutun – ist ein Raum entstanden, in dem sich das zeigen konnte, was sich zu zeigen bereit war.
 
Ich, er, du, wir machen das nicht, es passiert unweigerlich, dann, wenn wir uns öffnen, gegenüber uns selbst, dem anderen und allem, was sich in dieser Offenheit zeigen möchte.
 
Liebe passiert, sie zeigt sich dann, wenn wir nichts ausschliessen und das, was da sein will willkommen heissen – auch das Dunkle, auch die Scham, die Trauer, die Wut und auch unseren Widerstand gegenüber genau dieser Offenheit und Empfänglichkeit.
 
 
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empfanglichkeit

Stille Gespräche

Alles, was mit Worten gesagt werden kann, kann nicht wahr sein. Und je mehr wir sagen, desto mehr entfernen wir uns von dem, was nicht mit Worten ausgesprochen werden kann.
 
Ich habe schon immer darunter gelitten, unter der Sprache. Umso absurder, dass ich jetzt so viel schreibe 😉
 
Lange habe ich nicht geredet. Nie viel. Ich habe immer gefühlt, dass das, was ich sagen will, das, was ich fühlend (in mir) wahrnehme nicht mit Worten zugänglich gemacht werden kann. Also habe ich geschwiegen.
 
Später dann und immer noch manchmal habe ich viel geredet, mich zu erklären versucht. Vor allem in Beziehungen. Weisst du, verstehst du, siehst du nicht? Nein. Man kann sich nicht erklären, sich selten mit Worten verständlich machen. Weil der andere anders wahrnimmt, jeder für sich. Das trennt uns. Aber scheinbar nur. Denn es gibt etwas anderes, das uns verbindet. Jenseits der Worte. Obwohl auch Worte darauf hinweisen können, ohne zu erklären.
 
Im Osho-Ashram in Indien habe ich eine Meditation kennen gelernt, immer zu zweit. Die linke Handfläche zeigt nach oben, empfangend, die Rechte nach unten, gebend. So fanden die Hände vom Gegenüber in die meinen. So entstand Kommunikation. Ein stilles Gespräch, jenseits der Worte. Und in diesen kurzen Begegnungen habe ich „viel wahrgenommen“, vom Gegenüber und dadurch von mir selbst. Ein Gefühl, eine Farbe, ein Ach-ja. Ein erleichterndes Ausatmen und eine kurze Umarmung als Dankeschön.
 
Je komplexer die Erklärungen, je lauter die Worte, desto verzweifelter der Versuch etwas zu überbrücken, was mit blossen Worten nicht vollbracht werden kann.
 
Manchmal fühle ich Menschen im (Halb-)Schlaf. Plötzlich sind sie mir nah. Etwas in mir wird berührt, ohne dass sich die Körper nahe kommen. Und trotzdem ist auch körperliche Berührung wichtig, menschlich und Worte Teil unserer Kommunikation, ohne die ein Beisammen-sein, ein in Beziehung-Treten nicht möglich ist.
 
Aber die Stille, in der die „Seelen“ miteinander sprechen, ohne dass „wir“ es mitbekommen würden, die ist auch, parallel und gleichzeitig, immer und überall. Die einfachen und die wortlosen Worte, jenseits aller Erklärungen, die Gefühle und Energien, die wir austauschen, oft ohne es zu bemerken, diese „Worte“ sind genauso wichtig und richtig, jenseits von gut und schlecht.
 
In allen Augen, in die ich bisher geblickt habe, in allen Gesprächen überall auf der Erde, wo ich bisher war, entdecke ich das Gleiche. Den Wunsch nach Nähe, nach Bei- und Zusammensein. Manchmal drückt sich dieser Wunsch absurderweise durch den Drang nach Unabhängigkeit, durch übertriebene Freiheitsliebe aus, oder aber die Angst vor der ersehnten Nähe liegt leicht wie ein Nebel über dieser Sehnsucht. Dieser Sehnsucht nach Verständnis und Verbundenheit.
 
Die wir in uns selbst finden können. Um von diesem stillen Ort aus zu kommunizieren. Mit einfach Worten, mit stillen Worten und sanften Berührungen. Nicht vorschnell-besserwisserisch, sondern still und einfühlsam. Auch aufbrausend-leidenschaftlich. Aber immer ehrlich sanft. In Verbindung mit uns selbst und mit dem Gegenüber. Der wie wir selbst immer nur versucht sich verständlich zu machen, nahe zu kommen, ohne sich zu verlieren, sich zu verbinden, trotz der Angst vor der Selbstaufgabe, die wir alle in uns tragen.
 
Einfache Worte sind dem Mind oft zu einfach. Zu banal. Aber das Wichtige, das, was uns auf der Seele brennt, ist meist nicht komplex, scheinbar nur ist es viel, immer ist es einfach-leicht, bereit sich der Welt zu zeigen.
 
Text: Januar 2019
Bild: Sri Lanka 2018
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let the whole world break your heart

Heute spazierte ich lange im Wald, entlang dem Elefantenbach in Zürich.

Ich traf auf einen Baum, der fest umschlungen schwere Steine in seinen Wurzeln hielt.

Er schien zu sagen: Ihr Menschen denkt, dass ihr das Schwere loswerden und aus eurem Leben ausmerzen müsst. Oder es stellt euch vor unüberwindbare Hindernisse. Entweder ihr kämpft oder kapituliert. Aber was, wenn ich euch sage, dass ihr das Dunkel-Schwere weder ausmerzen noch davor zu kapitulieren braucht, sondern es mit offenem Herzen integrieren könnt, mit Liebe und Geduld aufnehmen und trotzdem weiter gehen und weit werden dürft?

Dies ist die Schönheit gebrochener Herzen, antwortete ich: Sie sind offen und fühlen und in dieser gefühlvollen Offenheit haben auch scheinbare Hindernisse und das Dunkel-Schwere ihren Platz, ohne dass dadurch ein Platzmangel entstünde.

Let the whole world break your heart“, sagt Gangaji.

In der Offenheit gebrochener Herzen zeigt sich die Liebe, in der alles seinen Platz hat.

 

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Angst vor dem Leben

Heute schmerzt mich all das Ungesagte, Ungefühlte, das Nicht-Gelebte.

Jedes Gefühl, das ich je heruntergeschluckt habe, alle Worte, die ich aus Angst nicht ausgesprochen habe. Alle Dinge, die ich machen wollte, wagemutig-froh und sie dann dem Zweifel geopfert habe: Klappt ja eh nicht.

Heute schmerzt mich die Wut, der ich nie Raum gegeben habe. Die Traurigkeit, die ich zu unterdrücken gelernt habe – wie wir alle im Laufe der Jahre lernen und gelehrt wurden, nicht voll, nicht ganz, nicht mutig-frei (uns selbst) zu leben, so wie das Leben durch uns gelebt werden will.

Wir umgeben uns mit Halbwahrheiten, deuten an, ohne zu sagen, wie wir fühlen, ohne zu sagen, was wir uns wünschen oder wovor wir uns ängstigen.

Wir erlauben uns selbst nicht frei und ohne Vorurteile ganz und gar zu leben und neigen dann dazu den anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben. Ich darf halt nicht und wir können nicht und wenn dies und das anders wäre, dann.

Aber die Wahrheit ist: Wir sind meist zu feige. Hinzustehen und zu sagen, ja ich will oder: Ich kann nicht mehr. Zu sagen: Ich liebe dich trotz allem, oder: Es ist Zeit für mich zu gehen. Zu sagen: Das verletzt mich, oder: Ich bin glücklich.

Wir ärgern uns über etwas und noch bevor die Wut als Energie sich aus unserem System befreien könnte, mischt sich unser Verstand geschickt ein und hinterfragt und zweifelt: Aber wütend sein, das gehört sich nicht und vielleicht hat der andere ja Recht und wer vertraut schon einem Gefühl?

Wir hier sicher nicht, oder nur (noch) wenige – obwohl es auch wieder mehr werden, die die fühlen wollen.

Heute schmerzt mich das Ungesagte und das Ungelebte, es macht mich träge-schwer, denn ich weiss, wirklich müde sind wir selten, oftmals versteckt sich hinter der Müdigkeit ein Gefühl, das unterdrückt und unbefreit in uns seine Runden dreht.

Vor ein paar Tagen habe ich morgens auf mein Tram gewartet und der Tramfahrer hat mich im Regen stehen gelassen – Gottseidank! Denn etwas in mir wurde getriggert, so sehr, dass „es“ sich durch einen lauten Schrei – mitten in der Stadt – endlich Luft machen konnte. Der Verstand war zu spät mit seinen Argumenten und Bedenken: Schreien, mitten in der Stadt, was denken denn die anderen, was fällt dir ein? – Gottseidank! – denn durch die Befreiung der Wut, spürte ich eine Lebendigkeit, die ein Ausgeschlafensein weit übersteigt.

Heute schmerzt mich das Unausgesprochen-Ungefühlte in mir. Ich möchte noch viel mehr Schreien und Weinen und alles sagen dürfen ohne zu überlegen und gleichzeitig will ich die Stille erforschen, diese Stille, die sich erst zeigen kann, wenn wir das Leben fliessen lassen, innerlich und äusserlich, im Fluss bleiben und nicht stocksteif um den heissen Brei herumreden und den anderen Menschen und somit auch uns selbst nie wirklich begegnen.

Das Leben will gelebt werden, nicht gedacht, nicht überlegt, nicht zerlegt in ein Dafür und Dagegen, sondern erprobt, erfühlt, gewagt.

Es braucht Mut zu leben, jenseits der Kontrolle, der wir immer wieder verfallen, aus Angst vor dem, was sich unserer Kontrolle entzieht: Aus Angst vor dem Leben.

Bild: Deva Satpriya: Life is a fucking mess!!!

 

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Psychopharmaka

Per Zufall bin ich heute auf ein Foto gestossen von einer Frau, die ich seit Jahren nicht mehr gesehen habe. Augenblicklich bin ich in Tränen ausgebrochen, etwas in mir wurde tief berührt und erschüttert. Ich wusste, dass es dieser Frau nicht gut geht und dass sie in Therapie ist, dass sie Medikamente bekommt. Aber was ich gesehen und gespürt habe, übertraf meine Vorstellungskraft.

Nichts mehr erinnerte mich an die Frau, die ich vor vielleicht zwei Jahren gesehen habe. Sie wirkte wie ein komplett anderer Mensch. Nicht nur der körperliche Aspekt – aufgedunsen, um Jahre gealtert – ich fand sie nicht mehr in diesem Bild, nichts erinnerte mich an die Frau, die ich kannte.

Ich erinnere mich an diese kurze Zeit, in der auch ich Psychopharmaka verschrieben bekommen habe. (Wollen sie noch etwas zur Beruhigung, oder etwas Antreibendes? – Als würde es sich um Bonbons handeln!) Die verschriebenen Medikamente halfen mir auch tatsächlich beim Einschlafen (es gab Zeiten, da habe ich über Monate nur 3,4 Stunden pro Nacht geschlafen), sie halfen mir bei der Arbeit – sie halfen mir zu funktionieren in einer Gesellschaft, die ihren Teil zu meinem „Kranksein“ beigetragen hat. Es ist für mich absurd, dass gerade dieses System, an dem so viele erkranken, versucht genau diese Menschen wieder zu heilen – beziehungsweise wieder funktionstätig zu machen. Was auch gelingen mag.

Aber wo bleibt der Mensch?

Damals habe ich meine Medikamente abgesetzt – ich fühlte mich in allen Lebensbereichen gedämpft, funktionstüchtig ja, aber leblos-leer. Ich bin zu meiner ersten Reise aufgebrochen, mit Meditation, Schamanismus in Berührung gekommen, ich habe Ayahuasca getrunken, Yoga gemacht. Ich habe neben den Psychopharmaka auch das Kortison abgesetzt, das ich gegen mein Asthma genommen habe und das ich laut den Ärzten mein Leben lang nehmen müsste. Nichts mehr nehme ich – und das Asthma konnte zur Überraschung der Ärzten nicht mehr nachgewiesen werden.

Ich sage nicht, dass ich nun heil-gesund-und-immer-glücklich bin. Ich sage nicht, dass ich/man alles heilen kann. Ich sage nicht, dass die Schulmedizin immer nur unrecht hat. Zur Stabilisation, in Notfällen, in einzelnen Situationen und Momenten im Leben, mag es hilfreich sein Medikamente zu nehmen, in Therapie zu gehen. (Ich war 5, 6 Jahre lang in Therapie; Diagnose Anpassungsstörung und ich habe die Therapie beendet, als mich mein Psychiater küssen wollte – man sollte sich nicht an alle/s anpassen ).

Und wir sollten nicht vergessen, immer wieder neue Wege auszuprobieren, andere Möglichkeiten in Betracht ziehen, Heilmethoden einbeziehen, die sich ausserhalb der schulmedizinischen Möglichkeiten bewegen, uns aus dem engen Rahmen unseres Systems bewegen und schauen, welche Möglichkeiten es noch gibt (wenn nötig und möglich auch in Kombination mit der Schulmedizin). Möglichkeiten, die uns helfen uns selbst zu helfen, wieder mit der HeilerIn in uns selbst in Kontakt zu kommen, Methoden und Menschen kennen lernen, die uns befreien dürfen aus einem System, das seinen Beitrag leistet uns krank zu machen und uns nachher wieder zu heilen verspricht – damit wir wieder Teil von all dem werden können, dass uns einst krank gemacht hat.

Ich gebe nicht „dem System“ Schuld (ein System von dem wir alle immer Teil sind), ich sage nicht, dass alles schlecht ist, was uns die Schulmedizin bietet, ich sage nur, dass es wichtig ist, sich immer wieder zu öffnen, Altbekanntes zu hinterfragen, Pflanzen einzubeziehen, ganzheitliche Heilmethoden auszuprobieren – spielerisch, sanft sich selbst zu öffnen und weit zu werden, frei in der Entscheidung, welchen Weg wir wirklich gehen wollen.

Text: Zürich, Januar 2019
Foto: Ich, in schlaflosen Zeiten vor ein paar Jahren

 

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In Beziehung sein

Ich glaube, dass wir oftmals das Alleinsein wählen, weil wir Angst vor dem Alleinsein haben. Selbstgewählt ist es sicherer. Wenn wir die Menschen von uns stossen, können wir selbst nicht abgewiesen werden. Wir bleiben in einer Beziehung aus Angst vor dem Alleinsein. Ich glaube, viele Menschen tragen in sich ein Wirrwarr an verknoteten Gefühlen und Sehnsüchten, es herrscht ein heilloses Durcheinander. Auch und vor allem dann, wenn es um Beziehung geht, zu unseren Mitmenschen und immer zu uns selbst.

Vorgestern war ich tanzen. Irgendwann einmal habe ich mich hingesetzt und die Menschen angeschaut. Plötzlich habe mich getrennt gefühlt von allen und von mir selbst und ich sehe es in so vielen Augen, überall auf der Welt, wo ich schon war, in jedem Gespräch, in jeder Berührung: Dieser Schmerz der Trennung und die Sehnsucht nach Verbundenheit, nach tiefer Verbindung mit uns selbst, mit dem Gegenüber, mit dem Leben.

Die Erbsünde, als wir uns von Gott (von uns selbst) trennten und (scheinbar) von allem, das uns umgibt.

Der Wunsch nach Liebe ist überall zu spüren, jenseits von Religion und (persönlicher) Geschichte, so alt wie das Menschsein selbst, versteckt es sich in jeder Begegnung, in jeder scheinbar noch so zufälligen Berührung.

So viele Menschen leben in einer Beziehung. Und so viele sind sich trotzdem nicht nah. Sich selbst nicht und auch dem Gegenüber nicht wirklich. Was für eine Behauptung! Aber eine Beziehung zu haben, bedeutet nicht automatisch in Beziehung zu sein.

Viele wünschen sich eine Beziehung; haben, besitzen, Sicherheit, ein Ja für immer, für ewig, mein. Während in Beziehung sein bedeutet, sich immer wieder neu zu begegnen, offen-ehrlich, verletzlich-tief. Alleine und gemeinsam immer wieder zu erforschen, wie sich das Beisammen-sein anfühlt, was an Ängsten auftaucht, sich langsam-sanft anzunähern, sich selbst und dem anderen nahe zu kommen, alles offen zu legen, was immer wieder trennend ist, intim zu sein, jenseits rein körperlicher Nähe.

Es ist ein unbekannter Weg der Wahrheit, eine (spirituelle) Suche, vorangetrieben vom Wunsch sich selbst und dem Gegenüber wahrhaftig zu begegnen, kompromisslos tief und dabei gewillt zu sein, alles zu verlieren, immer wieder.

Aber ich weiss es nicht. Ich habe absolut keine Ahnung. Ich glaube, es ist ein noch nicht tief erforschter Aspekt der menschlichen Natur. Wir haben lange einfach gelebt. Gearbeitet, geschlafen, uns fortgepflanzt. Wir hatten Beziehungen, ganz einfach, weil wir nicht alleine sein wollten/konnten. Weil es dazu gehörte, zum Leben. Aber das Altbekannte wandelt sich stetig-sanft und wir sind dazu eingeladen, zu erforschen, neu zu sehen, zu erfühlen und zu erfahren, uns selbst, die anderen – das Leben.

In Beziehung sein fängt bei sich selbst an und geht doch darüber hinaus. Durch ein Gegenüber haben wir die Chance uns selbst zu fühlen, das wahrzunehmen, was uns trennt, von uns selbst und von der Welt.

Und jedes in Beziehung sein beginnt immer mit Ehrlichkeit. Red keinen Blumenkohl, sag was du fühlst, habe ich gelesen. Simpel. Und doch so schwierig. Aus Angst vor ehrlicher Begegnung spielen wir lieber. Wir erzählen Geschichten. Verknoten unsere Gefühle, verpacken sie in Anspielungen, nähern uns an, ohne uns nahe zu kommen. Denn Nähe und Verbindung kann vielleicht nur dann geschehen, wenn wir ehrlich sind, mit dem, was wir fühlen, wollen, sehnen, ängstigen. Alles offenlegen und uns nackt ausziehen, bevor wir uns die Kleider vom Leib reissen (oder auch danach, da gibt es keine Regeln ) – aber erst dann, wenn wir gewillt sind uns zu zeigen, wie wir sind, kann Beziehung entstehen – und auch vergehen.

Aber aus Angst davor spielen wir lieber, reden Blumenkohl, verknüpfen und verstricken uns, haben Beziehungen, ohne je wirklich in Beziehung zu sein – weder mit uns selbst, noch mit anderen.

Obwohl wir alle diese Sehnsucht in uns tragen. Die Sehnsucht über die eigenen Grenzen hinaus, uns mit der Welt zu verbinden.

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Meine letzte Reise hat mich in Indien zu Maa Gyaan Suveera geführt, die mich in die Welt des Tarot eingeweiht hat. Jede Karte kann unterschiedliche Bedeutung/en annehmen, je nach Situation oder Nachbarkarte. Die heute gezogene Karte „Die Liebenden“ hat mir oben publizierten Text geflüstert.
Anfragen zu Tarot Readings per PN oder unter lbianchi000@gmail.com

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