Blog

RITUALE – eine wahre Geschichte

Ich mache oft Rituale. Zum Einschlafen, zum Loslassen, um mich zu verbinden (meistens mit mir selber).


Rituale spenden Trost, Schutz und können uns stützen in wilden, rauen Zeiten, oder in Momenten des Abschiedes, sowie des Neuanfanges. Sie können helfen, uns zu fokussieren und unsere Energie auf das zu lenken, was wir uns wünschen.


Braucht es das alles?, frage ich mich manchmal. Steine und Kerzen und Karten.


Nein, ist die Antwort. Natürlich nicht. Aber es kann eine Stütze sein, unseren unruhigen Geist beruhigen, eine Brücke und Krücke, in Zeiten des Übergangs.


Dazu eine wahre Geschichte:


Meine Schwester hat ihren Exfreund gepflegt und in den Tod begleitet. Sie hat tagelang an seinem Bett gesessen und als der Tod nicht mehr weit entfernt schien, war ihre grösste Angst, dass er gehen könnte, dann wenn sie gerade nicht dort ist.


Ich habe ihr geraten, zwei Steine zu suchen und einen Stein ihrem Freund zu geben und den anderen zu behalten. Ihm zu sagen, dass sie verbunden sind, über diese Steine und darüber hinaus und wenn er gehen wolle, wenn sie gerade nicht da sein kann, sei dieser Stein Symbol für die Verbundenheit, die über das physische Dasein hinausgeht.


Sie war skeptisch, ihr Freund sei nicht spirituell.


Am nächsten Tag rief sie mich aufgeregt an. Sie habe an seinem Bett gesessen, durch starke Medikamente sei ihr Freund halb im Delirium gewesen und habe auf ein Bild an der Wand gezeigt. Was das sei, habe er gefragt und dann: sind das Steine? Sind das Lia`s Steine?


Sie hat darauf hin zwei Steine gesucht und ihm den einen gegeben, den anderen behalten. Er ist mit dem Stein in der Hand gestorben – als meine Schwester gerade auf Arbeit war.


Sie trägt ihren Stein nun als Anhänger bei sich, der andere liegt auf seinem Grab.


Natürlich sind ihre Seelen nicht über die Steine verbunden, das wissen wir alle.
Darum geht es auch nicht. Aber unser Mind, der Verstand, der Kopf mit den vielen Fragen braucht manchmal eine Stütze, eine Krücke, Trost und Kraft.


Und dies können wir in Ritualen finden, in Gegenständen, Symbolen. So sanft und liebevoll dürfen wir mit uns sein, verständnisvoll mit unserem Menschsein, das traurig ist, wenn jemand stirbt, auch wenn der spirituelle Teil in uns vielleicht weiss, oder zumindest wissen will ;-), dass es den Tod nicht gibt.


Wenn wir unser Menschsein mit den Ängsten, der Trauer, der Wut, der nie enden wollenden Sehnsucht nach Liebe und Verbundenheit nicht länger verneinen, uns verständnisvoll für uns selbst öffnen, erst dann können wir auch zu dem gelangen, was unser Menschsein übersteigt und es gleichzeitig umschliesst.


Gerne begleite ich dich in Zeiten des Übergangs, des Abschiedes und beim Neuanfang; mit Ritualen, über den Körper, beim Malen, mit Karten und Steinen 😉 Online, via Zoom/Skype oder live in Zürich. Mit oder ohne Maske.


Alles Liebe

Lia

Foto: Abschiedsritual heute, 29.11.2020 Friedhof Witikon

PFLANZEN-LIEBE

Ich habe eine Pflanze, die mir sehr lieb ist: Planta de la vida – Pflanze des Lebens. Sie kommt aus Afrika und wird auch in Peru schon lange als Heilpflanze, zum Beispiel gegen Krebs oder Diabetes eingesetzt. Sie soll auch gegen alle möglichen Virenerkrankungen helfen und bei Corona soll sie präventiv und akut heilend wirken. Ich befinde mich natürlich gerade in einem Selbstversuch 😉

Meine Pflanze hat den Temperaturwechsel Balkon – Wohnzimmer nur schwer verkraftet und fast alle Blätter von sich geworfen. Deshalb habe ich sie ins Schlafzimmer gestellt. Dort, wo ich oft meditiere, Karten lege, still bin. In der Morgenmeditation kam plötzlich das Bild, wie sie neue Triebe schlägt. Als ich sie kurz darauf begrüsst habe (ja das mache ich oft ;-)), habe ich gesehen: neue Blätter. Ich habe mich lange mit ihr gefreut.

Ich habe Menschen gegenüber oft ein grosses Misstrauen. Nähe macht mir immer wieder mal Angst. Auf viele Tiere reagiere ich allergisch.

Mit Pflanzen habe ich bereits als Kind geredet. Bis ich gemerkt habe, das dies für einige komisch ist. Dann habe ich aufgehört.

Um in meinen eigenen vier Wänden wieder damit anzufangen.

Manchmal spüre ich, wenn es ihnen nicht gut geht, ihnen etwas fehlt. Und wenn ich ihnen nicht so Sorge trage, wie sie es bräuchten – oder wie ich mir selbst Sorge tragen sollte. Wir sind nämlich nicht getrennt. Bei den Pflanzen spüre ich diese Verbundenheit deutlich.

Bei den Menschen arbeite ich noch daran 🙂

BILD-PROZESSE

In einem Bild kann sich alles zeigen.

Lachende Gesichter, Trauer, Wut und die plappernde Stimme, die sagt, nichts von all dem ist gut.

In einem Bild wird Kontakt möglich, eine Begegnung mit dir selbst in allen Farben, Formen und Schattierungen. Gerne begleite ich dich in deinem Prozess.

Für An-Fragen und Infos melde dich gerne unter 076 393 93 28 oder lbianchi000@gmail.com

VOLLMOND-GEDANKEN

Der Mond ist voll, rund, einheitlich ganz.
Und das ist irgendwie auch seine Botschaft, in diesem Monat.
Das Einssein.

Gestern und heute habe ich im Rahmen meiner Ausbildung an einem Bild gemalt, dessen Botschaft ich bis jetzt nicht wirklich verstanden habe.

Um 19.00 Uhr habe ich mich dann hingesetzt, für eine Meditation und Energieübertragung von Verena Moksha Devi. Ich habe meine Augen geschlossen und habe „verstanden“, auf einer Ebene, die sich des Verstandes entzieht.

Ein Schmerz, der mir nicht wehtat, durchwanderte mit grosser Kraft meinen Körper, ich musste meinen Mund weit öffnen, eine gewaltige Energie verliess meinen Körper.

Ich sah meine Grossmutter und meine Mutter, meine Schwestern und mich selbst, wie wir alle immer versucht haben (und immer wieder versuchen) andere – vor allem Männer – und gleichzeitig uns selbst zu retten.

Und im selben Moment verstand ich schmerzlichst, dass niemand je gerettet werden kann (und nicht einmal gerettet werden will.)

Wir glauben ganz viel zu tun, zu entscheiden und auf der einen Ebene scheint das auch so zu sein, während wir auf einer anderen Ebene nichts dergleichen zu tun vermögen.

Jede Seele folgt ihrem eigenen Weg, ist geleitet, auch wenn sie verloren scheint.

In der Meditation habe mein Bild gesehen, an dem ich seit zwei Tagen arbeite. Es berührt mich auf einer tiefen, ursprünglichen Ebene meines Seins.

Es berührt mich im Kern, es erzählt von Zweiheit, Dualität, Verschiedenheit, Ähnlichkeit und Einssein. Von Fortpflanzung, Zell-Teilung – der Ursprung, der sich teilt und teilt, in unzähligen Formen erscheint, die immer wieder sterben, zurück kehren, zum Ursprung, zur Einheit.

Jede Sehnsucht – auch die jemanden retten zu wollen und selbst gerettet zu werden – scheint auf diesen Ursprung und konkret auf diese ursprüngliche Malerei, die heute ganz unbewusst entstanden ist, hinzuweisen.

Wir sehnen uns nach Einheit. Nach Ganzheit. Wir sind getrennt, geteilt (und diese Spaltung wird gerade aktuell im Aussen klar aufgezeigt und verstärkt) und wir vergessen, dass wir gleichzeitig immer eins sind.

Deshalb meine Berührtheit über dieses eigentümliche Bild, das heute entstanden ist. Diese zellenartige Formation, diese Teilung eines Ganzen, die Verschiedenheit und trotzdem die Einheit, die sich zeigt.

Ein Paradox in dem wir uns bewegen, die eine Sehnsucht in sich birgt, die viele Gesichter annehmen kann.

Ich kann nicht wirklich ausdrücken, was ich sagen will. Aber vielleicht fühlt ihr es.

„Selbstgemalte Bilder sind eines der passendsten Mitteln, an Informationen zu gelangen, die mit Worten nicht ausgedrückt werden können“, sagt die Maltherapeutin Bettina Egger.

Für mich sind es gemalte Bilder, aber auch über den Körper, in der Meditation, mit Pflanzen-Medizin, über Tarotkarten und am besten in einer Kombination, kann sich das zeigen, was wir ahnen, was wir spüren, aber nicht mit Worten auszudrücken vermögen.

Mein Atelier steht offen, wenn du dich annähern willst an das, was du ahnst, aber noch nicht weisst.

Herzlich willkommen!

(Es hat hier Platz für Abstand und Masken, falls erwünscht)

DIE BEFREIUNG (eines Bildes)

In der Schule werden wir gelehrt, die Dinge gut zu machen. Gute Noten zu schreiben, schöne Bilder zu malen, Regeln zu befolgen, Masken zu tragen. (Nein, ich meine nicht (nur) die Corona-Masken der neuesten Zeit) Ich meine diese merkwürdigen Gesichter und Geschichten, die wir uns aneignen, um zu über-leben, in einer doch manchmal grausam strengen Welt. Wo zum Beispiel unsere gemalten Bilder in der Schule benotet werden.


Vielleicht deshalb habe ich meinen Job als Zeichenlehrerin an den Nagel gehängt. Ich höre immer noch das Türeknallen eines Jungen, nachdem er eine schlechte Note für ein Bild bekommen hat, auf das er mächtig stolz war, das aber den Anforderungen der Maturitätsjury nicht genügte. Ich bin mir sicher, er hat nie wieder ein Bild gemalt.


In der Kunstschule wurde mir gesagt, ich könne nicht malen. Mein Glück, so habe ich mich auf Foto, Video, Performance und auf das Schreiben konzentriert und mein Malen schon damals als Therapiemöglichkeit entdeckt.


Seit ein paar Wochen arbeite ich auf dem immer gleichen Blatt Papier. Schicht um Schicht erzählt das Bild mir Geschichten – Geschichten, die ich vergessen, verdrängt oder unter meinen Masken versteckt halte. Ich rede mit dem Bild und wenn ich zuhöre, dann antwortet es.


Es sind traurige Worte, die von Verlust erzählen, flüsternd, sanft. Wütend reimt es Wort an Bild und lustig lächelnd erinnert es mich an dies und jenes. Weisst du noch?


In einem Bild kann sich alles zeigen. Unbewusstes, Verdrängtes, Helles und Dunkles – die Geschichte eines Individuums und gleichzeitig der ganzen Menschheit.


Es ist eine merkwürdige Zeit, nicht wahr? Fühlt ihr es auch? Ein bisschen so, als würde die Zeit still stehen, als würde die Welt den Atem anhalten und gespannt, besorgt und erwartungsvoll auf den nächsten Schachzug warten.


Wir wissen längst nicht mehr, wo die Reise hin geht. Oder werden schmerzlichst daran erinnert, dass wir es eigentlich noch nie wussten.


Viele kämpfen sich im Aussen müde, diskutieren und parodieren. Sind dagegen oder dafür. Ich war lange in der Punkerszene, konnte aber damals schon nie ganz dagegen sein, gegen irgendetwas da draussen.


Es führte mich stattdessen immer wieder nach innen. (Und das bedeutet nicht, dass ich meine Augen schliesse vor dem, was vor sich geht – ganz im Gegenteil) Aber auch im Innen, ganz nah bei mir, bei dir – bei und in uns selbst, findet sich auch das Aussen wieder, die gleichen Kämpfe, das Dafür und das Dagegen, das Helle und das Dunkle in allen Schattierungen.


Und es wartet darauf, von uns gesehen, gehört zu werden, es spricht mit uns, wenn wir genau hinhören, es lässt sich tanzen, bewegen, schreien, tönen, kotzen und malen.
Es wartet auf Befreiung, die darin besteht, gefühlt zu werden.


……………………………….


Gerne begleite ich dich in deiner Befreiung (deines Bildes). Dafür musst du nicht malen können, ganz in Gegenteil 😉


Im Rahmen meiner Ausbildung suche ich noch Personen, die sich über ein paar Sitzungen zum reduzierten Preis kunsttherapeutisch begleiten lassen. Melde dich für mehr Infos unter 076 393 93 28 oder lbianchi000@gmail.com.


……………………………….


Text: Oktober 2020

Bild: Oktober 2020; Stadium 1: Mein (inneres) Kind zeigt sich

TANZ DER TEUFEL_INNEN

Im Rahmen eines Seminars kam es zu einem „Tanz der Teufelinnen“.


22 Frauen, die getanzt haben; geschrien, geheult, geweint, sich gewunden, verbunden, geschüttelt und gerüttelt.


An den starren Strukturen, die wir verinnerlicht haben, haben wir gerüttelt, uns geschüttelt, verschüttete Gefühle wachgetanzt und unbewusste Muster neu geformt.


Es war wild, laut, ungestüm, kraftvoll, erotisch, traurig, freudig – rund.


Wenn Frau in ihrer Kraft ist, ist sie schön. Und ich meine nicht diese Schönheit, mit und für die auf Werbeplakaten geworben wird; verführerisch, kalt, berechnend.


Es ist eine wilde Schönheit, eine Tiefe, in der alles und alle ihren Platz haben.


Freiheit wurde spürbar, verkörpert wurde sie sichtbar in Form von 22 tanzenden, sich selbst neu gebärenden Frauen.


Das dies Angst machen kann, mir und dir und auch dem Mann, das konnte ich für einen kurzen Augenblick klar erkennen und spüren.


Wenn Mann nicht in seiner Kraft ist, muss er Frau unterdrücken, ihre Wildheit, wie auch die sanfte Intuition, ihr Wissen und ihre Kraft zu gebären und zu transformieren.
Wenn Mann nicht in seiner Kraft ist, muss er seine Kraft anders beweisen, indem er unterdrückt, dominiert, dirigiert, seine körperliche Überlegenheit aus-nutzt.


Und wenn Frau nicht in ihrer Kraft ist, lässt sie sich dominieren, unterwirft sich, nimmt sich zurück, macht sich klein oder manipuliert den Mann mit ihrer Erotik, die nichts mit freier, wilder Sexualität zu tun hat, sondern mit manipulativer Berechnung und Verführung, vielleicht manchmal um sich zu rächen und um den Mann zu dominieren, oft ohne dass dieser dies überhaupt merkt.


Was für eine Welt wäre das, wenn Mann und Frau beide in ihre Kraft, in ihre Ganzheit kämen und zusammen den Tanz der Teufel_Innen tanzen würden, dachte ich mir heute.


Keiner müsste den anderen dominieren, manipulieren, unterdrücken, sondern jede/r würde den anderen in seiner Ganzwerdung und persönlichen Befreiung unterstützen und begleiten, im Wissen, dass das Gegenüber keine Bedrohung sondern Bereicherung und Ergänzung ist.


So eine Welt wünsche ich mir!


STARKE MÜDE FRAUEN

Als Kind, kurz bevor mein Vater meine Familie verliess, ich war ca. 11, 12 Jahre alt, sass ich im Badezimmer und weinte. Draussen hörte ich meinen Vater zu meiner Mutter sagen: Ach, Lille (wie er mich damals nannte), da brauchen wir uns keine Sorgen machen, die packt das schon.

Scheinbar unbemerkt, wurde dieser Satz, der meine Mutter schon ihr Leben lang begleitete an mich weiter gereicht. Lia, die schafft das schon. Und tatsächlich habe ich es immer gepackt. Meistens alleine.

Ich habe mich durch die dunkelste Zeiten der Depression geschleppt, mit Schreiben und Malen mich selbst therapiert, ich habe mich alleine auf die Gymnasiumprüfung vorbereitet und mich später an allen Kunstschulen beworben, um überall angenommen zu werden. Ich habe als Zeichenlehrerin an einer Kantonsschule unterrichtet, ohne Diplom und bin nachher in die Kunsttherapie eingestiegen, ohne Ausbildung.

Vor sechs Jahren hat ein Schamane mitten in einer Ayahuascazeremonie zu mir gesagt; Lucie (so nannte er mich damals), ich bin müde, du übernimmst.

Ich bin alleine als Frau in Länder gereist, in der man als Frau, nie sicher sein kann. Ich hatte immer wieder Einbrüche und bin immer wieder aufgestanden und ich war in Liebesbeziehungen, die, wenn ich heute daran denke, mir einfach nur schlecht wird.

Ich habe mich immer wieder und weiter befreit, war in vielen Therapien, habe unterschiedliche Seminare, Ausbildungen, Beratungen und Pflanzen ausprobiert und immer wieder auch meine ganze Familie mitgestützt und auch Lösungen für meine Männer gesucht (sehr wahrscheinlich nur aus dem egoistischen Grund, damit sie nachher Mann für mich sein können.) Klappt nicht Mädels und lohnt sich nicht, diese Verantwortung zu übernehmen.

Heute an einem Seminarwochenende wurde mir rückgemeldet, dass ich immer so stark, präsent und sicher wirke. Ich habe mich sehr darüber gefreut, bin dann nach Hause gegangen und habe eine Stunde lang ausgiebig geweint.

Ich habe an all das gedacht, was ich geschafft habe, voller Stolz und ehrlichem Staunen und dann wurde ich von einer grossen Trauer und einem tiefen Schmerz besucht, über all die Verluste, über die Kämpfe, über die Herausforderungen, Hindernisse, über all das, was ich alleine schon geschafft habe.

Ein bisschen Wut mischte sich ein über die Abwesenheit meines Vaters und der Männer die folgten. Ich weiss, dass ich vieles schaffen kann. Ich habe keine Angst davor, alleine durch die Dunkelheit zu gehen.

Und ich weiss, dass ich nicht alleine gehe. Ich sehe und spüre viele Frauen an meiner Seite. Frauen, die alleine ihre Kinder grossziehen. Die sich aus Beziehungen befreien, die von Missbrauch geprägt sind, sehr subtil manchmal, nicht offensichtlich laut.

Ich weiss um Frauen, die bleiben können, im Schmerz und da sind, auch wenn es schwierig wird und den Mund aufmachen, wenn es zuviel wird und sich abgrenzen wissen ohne sich aus dem Staub zu machen. Ich weiss um die Kraft der Frauen, um meine Kraft und um die meiner Schwestern, Ahninnen und Begleiterinnen.

Und ich weiss auch um die Müdigkeit, um den leisen Schmerz und um die stille Sehnsucht, die uns manchmal heimsucht. Die mich heute heimgesucht hat.

Die Sehnsucht, dass jemand da ist, jemand, der sagt; ich weiss, dass du alles alleine schaffen kannst. Aber du musst es nicht alleine schaffen. Weil ich da bin.

Diese Worte sind von mir für mich selbst und von mir für dich, starke, müde Frau; Ich bin da. Denn ich weiss, um die Müdigkeit, um den leisen Schmerz und um die stille Sehnsucht, die uns manchmal heimsucht.

Die mich heute heimgesucht hat, plötzlich, unverhofft.

Und jetzt, erschöpft und erschlagen liege ich in meinem Bett und ich weiss auch um die Schönheit von diesem Schmerz, der Trauer und der Sehnsucht: Sie macht uns weich, demütig, feinfühlig und offen. Und in dieser weichen Offenheit sage ich gute Nacht. Alles Liebe zu euch!

DIE GRÖSSTE ANGST

Die meisten Menschen wollen nicht, dass du frei bist, dass du gross bist, dass es dir gut geht.

Sie wollen, dass du bleibst, wie du bist – damit sie bleiben können, wie sie sind. Sie erwarten Loyalität, Rückendeckung; wenigstens in dieser einen Sache.

Du kennst das doch auch, dir geht es auch oft schlecht – du auch, nicht wahr?, sagen sie bestimmt.

Die meisten Menschen wollen nicht, dass du gross bist, dass es dir gut geht, dass du frei bist. Niemand will, dass du dich veränderst, die meisten wollen, dass du bleibst, wie du immer warst und wie sie dich sehen wollen. Immer ein bisschen traurig, schwer und klein.

Und du hältst dich selbst oft klein. Ja ich auch, hörst du dich selbst sagen. Und alle fühlen sich gleich besser. Rückendeckung anstatt Rückenwind. Du weisst schon.

Aber ich sage dir; es darf dir so richtig gut gehen, du darfst gross sein, du darfst leuchten, du darfst dich aus zu klein gewordenen Gedanken- und Verhaltensmuster, du darfst dich aus dieser längst zu eng gewordenen Haut schälen, an die sich alle gewöhnt haben. Und die dir so gar nicht mehr steht.

Wie eine reife Frau in Mädchenkleidern, ihre Puppe unter dem Arm – ja, ich auch. Aus falscher Loyalität und aus Angst.

Aus Angst vor deiner eigenen Grösse, vor deiner Kraft und deiner wilden Schönheit.

Aus Angst vor dem Beben in deiner Stimme und dem Leuchten in deinen Augen.

Und selbstverständlich fühlst du dich immer noch und immer wieder klein und fein und du kennst den Schmerz. Natürlich hast auch du Angst.

Aber unsere grösste Angst ist die Angst vor unserer wahren Grösse, vor unserer Kraft und wilden Schönheit, unserer Freiheit und davor, damit alleine zu stehen.

Aber du bist nicht alleine. Du bist nie alleine.

Für A. – für dich und mich.

SEELENVERWANDTSCHAFT – DUALSEELEN – ZWILLINGSSEELEN

 

Unser Gehirn funktioniert so, dass unerledigte, unfertige Dinge – Arbeiten, Beziehungen usw. – nicht losgelassen werden können, also immer wieder und wieder überdacht, analysiert, interpretiert werden müssen. Deshalb funktionieren Netflix-Serien so gut. Man „muss“ sie zu Ende schauen.

Und auch deshalb können wir Beziehungen, die kein klares Ende gefunden haben, in denen noch etwas ungesagt, ungelebt, offen ist, so schlecht loslassen. Und sind dabei oft auch ziemlich erfinderisch, Erklärungen zu finden, warum wir nicht loslassen können.

In der (spirituellen) Welt gibt es unzählige Theorien von Dual- Zwillingseelen und Verwandschaften, die über die Ursprungsfamilie weit hinausgehen. Ich glaube daran, aber ich weiss nicht abschliessend wie das so ist mit den verschiedenen Seelenverwandtschaften.

Früher war ich felsenfest davon überzeugt, dass es all das gibt. Es spendete mir Trost. Der Gedanke, dass ein Mensch mir so nah und eine funktionierende Beziehung nur deshalb – noch ! – nicht Realität ist, weil wir beide noch etwas zu lernen und zu erledigen haben. Obwohl ich alleine war, betrogen, belogen, verlassen, oder einfach nur elend, konnte ich mir sagen: Aber eigentlich, eigentlich habe ich die grosse Liebe doch schon gefunden – auch wenn sie sich – noch! – mit jemand anderem das Bett teilt, oder einfach nicht mit mir sein kann.

Eigentlich konnte ich selbst nicht wirklich mit mir sein. Aber da wollte ich nicht hinsehen, nicht fühlen, die Angst, die Einsamkeit, den Schmerz, die Selbstablehnung und all den Scheiss.

Vielleicht ist es etwas vom Schwierigsten, sich zu fragen, was jetzt gerade ist und nicht, was sein könnte.

Es war lange sehr viel einfacher mich mit spirituellen Themen zu beschäftigen, mich zu flüchten in Sphären einer heilen Welt, in der wir alle verbunden sind und die grosse Liebe immer da – wenn auch nicht physisch, nicht hier und jetzt.

Aber das Hier und das Jetzt ist auch ganz schön wichtig! Das Menschsein. Die Bedürfnisse, Wünsche, Ängste und Sehnsüchte, der Schmerz. Aber da wollen wir oft nicht sein. Im Jetzt, im Hier, mit uns selbst.

Es war ein ganzes Stück Arbeit und ein langer Weg – und immer noch work in progress – ein paar Seifenblasen platzen zu lassen und viele Theorien und Konzepte loszulassen, oder zumindest zuzugeben: Ich weiss es nicht. Und auch in die Handlung zu kommen und die Konsequenzen zu tragen, Beziehungen zu beenden, oder zu sagen, nicht mit mir, nicht so, nicht mehr.

Wir wissen so vieles nicht, aber wir wollen es wissen oder fest daran glauben, weil wir es uns so sehr wünschen. Und weil es uns schwerfällt uns selbst aus-zu-halten und es im Gegensatz dazu so einfach scheint, ein Gegenüber fest- und auszuhalten – auch wenn es schmerzhaft ist und uns verletzt.

Weil es vielleicht lange noch nicht so elend ist, die Augen und unser Herz weit für uns selbst aufzureissen und zu schauen, was hier und jetzt, bei mir gerade ist und sein will.

Es hat für mich mit Erwachsenwerden zu tun, mit Selbstständigkeit und Selbstermächtigung, mit Selbstannahme und einer kraftvollen Akzeptanz, loszulassen; Theorien, Konzepte und auch Menschen und sich sich selbst zuzuwenden, diesem Leben, hier und jetzt, immer wieder.

Sich um sich selbst zu kümmern, um den eigenen Scheiss. Und sich auch immer wieder zu erlauben und zu erleben, wie schnell man abdriftet, sich verliert, sich zu erlauben zu hoffen, zu interpretieren – um wieder zurück zu kehren, zurück zu sich selbst.

Immer wieder.

 
PS: Natürlich gebe ich die Hoffnung nicht auf! Ich wünsche mir einen richtigen Mann, keinen Traum-Mann, der mich nur in meinen Gedanken oder ab und an besucht, sondern einen mit Fleisch und Haaren, zuverlässig, frei, oder auch manchmal ein bisschen abhängig so wie ich, bodenständig und erdverbunden, mit Ecken und Kanten und Macken, humorvoll-treu – ob er meine Dual- oder Zwillingseele ist, ist mir einerlei 

www.liabianchi.com – Kreative Beratung & Begleitung (Auch in Dualseelen-Prozessen 

Text: August 2020
Bild: Ich und meine Dualseele Tom, 2014 in Mexico

 

 

1400358_625410180843312_204525089_o