humans

Jeder Mensch trägt eine Farbe, einen bestimmten Geruch und Formen in sich und ins Leben. In der Begegnung, flüchtig-leicht oder aufwühlend-tief, teilen wir uns mit, unserem Gegenüber und der Welt. Jede Begegnung ist Bewegung, weil jede Begegnung berührt. Diese Berührungen hinterlassen Spuren und die Geschichten erzählen vom Leben, das wir alle teilen. Ähnliche Träume, altbekannte Ängste und wiederkehrende Sehnsucht. Der Wunsch nach Glück, nach Freiheit, nach Erfüllung, nach Wahrheit und Liebe; die Suche nach uns selbst und nach dem Göttlichen, das sich in jeder Geschichte versteckt. Wenn man genau hinschaut, hört und spürt, lässt sich die Weite erahnen, der wir entstammen und aus der die Geschichten, die Träume, die Angst, die Freude und die Sehnsucht auf- und abtauchen, im ewigen Spiel des Lebens.

Reisend begegne ich Menschen und lausche ihren Geschichten. Manchmal frage ich nach, immer höre ich zu, ich gebe Raum zum Atmen, gebe der Geschichte Platz, sich zu entfalten. Ich sehe und werde gesehen, fühle Farben; Gerüche und Formen sammeln sich und ich erkenne mich im Gegenüber, begegne dir und mir und erzähle deine-meine Geschichte immer wieder neu, zurück zu dir, zurück zu mir, zurück zu dem Punkt, der uns jenseits von Herkunft, Religion, Alter oder Geschlecht alle verbindet: unserem Menschsein.

Seit Januar 2018 bin ich (wieder) auf Reisen. (Auch) hier werden immer wieder, und oft ohne, dass ich danach fragen würde, Lebens-Geschichten von den verschiedensten Menschen an mich herangetragen. Bis zu dem Punkt, an dem ich mich so voll und rund an Gefühlen, Farben und Worten gefühlt habe, dass ich beschloss, den Stories und den dahinter stehenden Menschen einen Platz zu geben, als hommage an das Menschliche, als Erinnerung und als Dankeschön an die Begegnungen und an die Bewegung, die jede dieser Berührungen hinterlassen hat.

(Hier werden nur ein paar wenige „Porträts“ gezeigt und diese selbstverständlich im Einverständnis der Beteiligten. Und das ganz Persönliche, sowie das Klein-Fein-Unausgesprochene, das zwischen den Worten wohnt, das spreche auch ich nicht aus – auch wenn es sich manchmal doch zeigt, zwischen den Zeilen oder im Bildhaften, das auch ohne Worte kommuniziert.)

 

 

Sampathgeboren in Ella/Sri Lanka, kennen gelernt in Ella, März 2018

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das Alleinsein ist kein Alleinsein, es ist das Sein mit dem, was ist, mit dem, was wir sind

„I am 200% happy.“

Ich habe Sampath in Ella getroffen, als ich mich wieder einmal auf einer Wanderung verlaufen hatte. Sampath hat auf dem Land seines Vaters ein wunderschönes Guesthouse selber designt und dann bauen lassen. Er hat seinen Job in einem Krankenhaus aufgegeben und lebt nun in seinem Guesthouse inmitten der Natur. Hobby, Beruf, Leben – alles könne er jetzt miteinander verbinden.

 

 

 

Myriana, geboren in England, kennen gelernt in Kandy, Sri Lanka, März 2018

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der Friede sei mit dir, auch in stürmische Zeiten und wenn der Wind lacht, dann zeig dich so wie du bist, zerrissen fremd und umwerfend schön

„I cannot fight against that… inside me… this free spirit… when I was working, I felt numb, tired all the time. To travel is for me a lifestyle, I feel free, I feel the energy, creativity, doing this and that – doing just what I want to do. I only would wish that my family could understand my way of life.“

Myriana ist seit 20 Jahren am Reisen, nicht als ein nie enden wollendes Sightseeing, Reisen ist ihre Art zu leben, ein Leben, das seine Wuzeln im Unterwegs-Sein hat, fernab von den Konventionen Englands, wo sie streng katholisch aufgewachsen ist. Schon als Kind habe sie gespürt, dass sie nie in einem enggesteckten Rahmen ihr Leben führen könnte. Ich habe Miri in Kandy, Sri Lanka getroffen, wo wir im „Burmese Rest“, bei Mönchen gelebt haben. Sie hat mir meine Haare geschnitten, in meinen Händen gelesen und gottseidank als Erste bemerkt, als mein Wassererhitzer Feuer fing. Danke für alles!

 

 

 

Rathna, geboren in Kandy/Sri Lanka, kennen gelernt in Kandy, April 2018

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und wenn der Stolz spricht, dann mach dich selbst klein, damit der Glanz in deinen Augen nie erlischt

„Yes, I am happy and I wouldn`t change anything in my life.“

Dr. Rathna Heenkenda habe ich in Kandy kennen gelernt, als ich auf mein neues Visa für Indien gewartet habe. Er hat Ayurveda in Indien studiert und arbeitet nun als Ayurveda-Arzt in Kandy. Seine Frau hat im gleichen Gebäude einen kleinen Laden, in dem sie Fruchtsäfte und Snacks anbietet – alle Zutaten beziehen sie von einer „Organic-Farm“. Zusammen haben sie zwei Kinder, ein Junge und ein Mädchen. Schön.

 

 

 

Joe, geboren in Holland, kennen gelernt in Chennai, April 2018

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die Tiefe und die Intensität des Lebens fliessen haltlos; atme ein, atme aus, verbinde das Zerrissene, füge das Einzelne zum Kreisrunden

„Everybody suffers. But I like my way of life.“

Ich habe Joe im „Broadlands Lodge“ in Chennai kennen gelernt. Geh nicht nach Chennai, es ist dreckig und laut dort, wurde mir gesagt. Was soll ich sagen; ich mag Chennai. Es ist lebendig, echt, bunt und wild. Auch Joe liebt Chennai und er hat mir ein paar einzigartige Orte und traditionelle Restaurants gezeigt. Mehr als sein halbes Leben, ist er währed der einen Hälfte des Jahres auf Reisen und verbringt die Sommermonate in Holland. Er hat kein Handy, keine E-Mail-Adresse und auch sonst ist er „anders“ als die Mehrzahl der Menschen, die man in einem Leben trifft. Trotzdem war er mir nicht fremd.

 

 

 

Ishani, geboren in Ella/Sri Lanka, kennen gelernt in Ella, März 2018

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das Weiche, das Zarte und das Bunte sind deine Begleiter, immer und überall

„My dream is to renovate my father`s house and to build a second room to rent.“

Ich habe bei Ishani ein Zimmer gemietet, als ich auf meiner Reise in Ella Halt gemacht habe. Ishani ist 24 Jahre alt, ihre Eltern sind bereits gestorben und sie lebt mit ihrem Ehemann und ihrer Schwester, die durch einen Vitaminmangel ihrer Mutter während der Schwangerschaft eine Behinderung hat, im Haus ihrer Eltern. Trotz ihres nicht einfachen Lebens, erlebte ich Ishani glücklich und dankbar für das, was sie hat. Sie hat mich sehr berührt.